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Alle Nähe fern

"Ich werde die Geschichte aufschreiben, damit ich weiß, wer wir sind und wie wir waren." Nach einem letzten, aufwühlenden Familientreffen, das auf dem jüdischen Friedhof zu Ende geht, steht Jakobs Entschluss fest. Für den Leser des Romans "Alle Nähe fern" schließt sich damit der Kreis, denn er kennt bereits die Geschichte der deutsch-jüdischen Familie Zimmermann, die André Herzberg erzählt.

Von Großvater Heinrich, der vor dem Ersten Weltkrieg in die Familienfirma einsteigt und später sich und seine Frau in letzter Sekunde vor dem Holocaust rettet, über die Söhne Konrad und Paul, den DDR-Parteifunktionär, bis hin zu Jakob, der in der Musik sein Glück findet: Es ist eine Geschichte von Vätern und Söhnen, über ihre Fremdheit und über eine Familie, die, in alle Welt zerstreut, um Gott und die eigene Identität ringt.

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Geschichten aus dem Bett

"Ich bin am liebsten im Bett. Ich lese am liebsten im Bett. Ich träume natürlich im Bett. Ich mag auch alle Sachen, die sich rund ums Bett abspielen ..."

"... Er hörte ihre Schritte. Er konnte sie schon ausmachen, als sie unten an der Haustür war. Hastig ließ er Wasser ins Abwaschbecken ein. Er rannte in den Korridor, um die liegengebliebenen Schulhefte in sein Zimmer zu werfen. Sie schloss auf, als er den Topf vom Zimmer in die Küche trug. Hallo Mutti! rief er ihr im Vorbeigehen zu. Sie antwortete nicht. Sie trug die schweren Taschen in die Küche. Ihr Blick blieb gesenkt. Noch in Mantel und Mütze lief sie durch die Wohnung und begann sofort mit dem Aufräumen. Wieder nicht abgewaschen, dein Bett ist auch nicht gemacht, den ganzen Nachmittag ferngesehen, und der Mülleimer? Mach ich gleich, rief er ihr in scheinbar optimistischem Ton zu. Aber es hatte keinen Sinn. Sie wurde immer lauter, und das hatte er vorher gewusst. Dabei hatte er ihr noch nichts von dem Tadel im Hausaufgabenheft erzählt. Er spürte ihre Wut, obwohl sie ihn nicht ansah. Nun zerrte er den Einsatz aus dem Eimer, die Eierschalen fielen herunter, jetzt war er an der Wohnungstür und schlüpfte leise hinaus. Im Gehen murmelte er vor sich hin: morgen, Mutti, morgen! ... "

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Mosaik

"Genau im Monat meiner Geburt wurde in der DDR das erste Comic-Heft mit dem Titel Mosaik herausgegeben. Dieses Heftchen hat mich viele Jahre meines Lebens begleitet. Es war Märchen, Abenteuer und Bildung. Es war eine Möglichkeit, an der großen Welt teilzuhaben.In den ersten Heften war der Preis in verschiedenen Währungen angegeben. Schon das ließ es mir so wertvoll erscheinen. Natürlich habe auch ich mich daran beteiligt es zu tauschen oder anderen abzukaufen.Meine größeren Geschwister hatten mir einige Exemplare überlassen, die meinen Schatz bildeten. In meiner Erinnerung waren es eigentlich nur die schon damals historischen Hefte, die mir wichtig waren. Ich kann mich nicht erinnern, am Kiosk gestanden zu haben, um eines selber zu erwerben. Sie wurden zwar weiter verlegt, aber in der Gegenwart erschienen sie mir langweilig und öde. So blieben mir die alten, oft zerlesenen Hefte, die ich unter der Bettdecke – die Mutter hatte mir verboten abends zu lesen – mithilfe meiner Taschenlampe durchblätterte.Am Schluss nahm ich die Lampe so, dass der Schein der schwächer werdenden Birne mir direkt ins Auge schien und ich in dieser Sonnenwelt weiter die Abenteuer von Dig und Dag, den beiden Helden – der dritte, Digedag, hatte sie für viele Hefte verlassen – träumen konnte. Märchen sind bis heute für mich die schönsten Mosaiksteine."

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